Allensbach-Umfrage: Keine gute Prognose für Deutschland

Bundeskanzler Scholz hat seinen Auftritt in Davos genutzt, um die Stärken Deutschlands zu betonen und zu Investitionen in Deutschland aufzurufen. Auch die große Mehrheit der Bevölkerung attestiert dem Land viele Stärken – gerade auch solche, die für Investitionsüberlegungen eine große Rolle spielen wie Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, Standortbedingungen, Leistungsbereitschaft der Menschen, politische Stabilität, Qualitätsbewusstsein und der Stand von Wissenschaft und Forschung. Deutschland wird als starkes und auch als attraktives Land gesehen.

Die überwältigende Mehrheit lebt gerne in Deutschland, und 83 Prozent sehen den Lebensstandard und die Lebensqualität als besondere Stärke, 84 Prozent auch das kulturelle Angebot, 79 Prozent das Qualitätsbewusstsein von Bevölkerung und Unternehmen.

Zwei Drittel der Bevölkerung halten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen wie auch die Unterstützung der Wirtschaft durch den Staat für eine Stärke des Landes; gleichzeitig dominiert die Überzeugung, dass die wirtschaftlichen Erfolge auch wesentlich auf faire Arbeitsbedingungen und eine hohe Leistungsbereitschaft zurückgehen: Rund 70 Prozent sehen in den Arbeitsbedingungen wie auch in der Leistungsbereitschaft der Menschen eine besondere Stärke des Landes, die Mehrheit auch in den sozialen Sicherungssystemen.

Gerade die Arbeitsbedingungen wie auch die soziale Absicherung gegen Armut werden von der Bevölkerung immer mehr als Stärke des Landes empfunden. Im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen waren 2017 davon 56 Prozent überzeugt, 2019 61 Prozent, jetzt sind es 70 Prozent.

Die Absicherung gegen Armut hielten noch 2019 nur 39 Prozent für eine besondere Stärke des Landes, aktuell 54 Prozent. Auch der Stellenwert von Datenschutz wird zunehmend als Stärke gesehen. Das gilt neuerdings auch für die Integration von Zuwanderern, wobei zu berücksichtigen ist, dass die aktuelle Wahrnehmung von Zuwanderung in hohem Maße von Ukraine-Flüchtlingen geprägt ist, bei denen die Bevölkerung von weitaus besseren Inte­grationschancen ausgeht als bei den vorherigen Flüchtlingswellen.

In einem Gebiet, das von der Mehrheit als Stärke Deutschlands eingeschätzt wird, sind allerdings in den letzten Jahren die Zweifel gewachsen: Das Gesundheitssystem sahen 2017 noch 81 Prozent als Stärke Deutschlands an. 2019 waren es 75 Prozent, nun sind es nur noch 60 Prozent. Der Anteil derjenigen, die hier eine Schwachstelle sehen, hat sich seit 2017 von 18 auf 39 Prozent mehr als verdoppelt.

Angesichts der Stärkenanalyse der Bevölkerung ist es zunächst erstaunlich, dass nur eine Minderheit dem Land insgesamt eine gute Prognose stellen mag. Nur 31 Prozent sind überzeugt, dass Deutschland sich auf Sicht der nächsten zehn Jahre gut entwickeln wird. Und auch nur 39 Prozent sind zuversichtlich, dass Deutschland in zehn bis 15 Jahren noch zu den führenden Wirtschaftsnationen gehören wird; vor fünf Jahren waren davon noch 59 Prozent überzeugt. Trotz der Stärken, die die Bevölkerung mit Deutschland verbindet, wachsen gleichzeitig Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Landes. Das geht keineswegs nur auf die Krisen der vergangenen Jahre und die Wahrnehmung zurück, dass sich die ökonomische und politische Bedeutung der Weltregionen gravierend verschiebt. Vielmehr breitet sich in der Bevölkerung Verunsicherung aus, ob das Land noch so funktioniert, wie es seinem Anspruch und seinem bisherigen Selbst- und Außenbild entspricht.

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