Er wäre fast Österreicher geworden

Von Hubert Gigler

Der Bursche verfügt über enorme Ausdauer, das bewies Andrej Rublew bei seinem Auftritt gegen Holger Rune. Beim Matchball im Tiebreak des fünften Satzes fiel allerdings das Glück auf seine Seite, als der Ball von der Netzkante auf die Seite des 19-jährigen Dänen hoppelte. So sieht sich Rublew bei den Australian Open einem Viertelfinalduell mit Novak Djokovic ausgesetzt.

Zuzutrauen ist dem 25-Jährigen der große Coup durchaus. Mit seinen 1,91 Metern bei 75 Kilogramm müsste Rublew eher der zarten Abteilung zugewiesen werden, doch er baut nicht nur auf Stehvermögen, sondern auch auf Kraft. Diese ist gentechnisch zu lokalisieren. Sein Vater, Inhaber einer Restaurant-Kette, war einst Profiboxer, sein Großvater mütterlicherseits Ringer, griechisch-römisch. Gut möglich, dass sich Rublew aber auch deshalb so prächtig schlägt, weil er von seiner Großmutter (väterlicherseits) aufgepäppelt wurde. Bis zu seinem 15. Lebensjahr ließ er sich von seiner österreichischen Oma kulinarisch verwöhnen. Dass es sich um klassische Wiener Küche handelte, kann nicht bestätigt werden, denn Larissa Henrichowna war schon als junges Mädchen nach Moskau gekommen.

Ein österreichischer Pass war tatsächlich einmal erwogen worden, der Plan wurde aber verworfen. Im Frühjahr 2022 hätte er jedoch fast die Staatsbürgerschaft gewechselt, nämlich für den Fall, dass die russischen Tennisprofis wegen des Ukraine-Kriegs von allen Turnieren ausgeschlossen worden wären. Vielleicht wäre Rublew dann inzwischen Österreicher. Als solcher hätte er in Runde eins der Australian Open mit Dominic Thiem quasi einen Landsmann eliminiert, so gewann er als (für Melbourne) Staatenloser in drei Sätzen.

Sportlich in Schwung gebracht wurde der ATP-Sechste von seiner Mutter. Marina Marenko hatte unter anderem schon Anna Kurnikova betreut. Kürzlich beklagte sie sich darüber, welchem Druck ihr Sohn in den vergangenen Monaten wegen des Ukraine-Kriegs ausgesetzt gewesen sei. Rublew hat wiederholt öffentlich gegen den Krieg Stellung bezogen. „Er ist ein echter Held, ich bin sehr stolz auf ihn“, sagt die Mutter.

Australian Open, Männer-Viertelfinale: Tsitsipas (GRE/3) – Lehecka (CZE) 6:3, 7:6, 6:4; Chatschanow (RUS/18) – Korda (USA/29) 7:5, 6:3, 3:0 w.o.; Frauen-Viertelfinale: Asarenka (BLR/24) – Pegula (USA/3) 6:4, 6:1; Rybakina (KAZ/22) – Ostapenko (LAT/17) 6:2, 6:4.

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