Diese Kurve trübt die Laune der Stromlieferanten erheblich

Verrückte Zeiten: Die Strompreise für Endkunden stiegen mit Anfang Jänner massiv. Zeitgleich beginnt der Sturzflug der Preise fürs Stromeinspeisen mittels PV-Anlagen. Was ist da los?

Marco Riebler Salzburg. Vorerst aufatmen heißt es auf den europäischen Strommärkten. Die Preise sinken und liegen inzwischen auf dem Niveau von 2021. Wenig erfreulich ist diese Situation für Photovoltaikanlagen-Eigner mit einer Überproduktion an Sonnenenergie.

Produzieren diese mehr, als sie für den Eigenbedarf benötigen – wird der Strom ins Netz eingespeist. Zuletzt bekamen PV-Anlagen-Besitzerinnen und -Besitzer teilweise sogar mehr Geld für die Kilowattstunde beim Einspeisen, als der Strombezug des Energieversorgers kostete.

Einen Preis von rund 51 Cent pro Kilowattstunde bekamen Stromlieferanten noch im letzten Quartal 2022, sofern diese einen Vertrag mit der OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom) in Händen hielten. Im Vergleich dazu: Der Bestandskundentarif der Salzburg AG lag für den Strombezug bei 13,6 Cent je Kilowattstunde.

Inzwischen gibt es nur mehr rund 27 Cent pro Kilowattstunde für die Stromüberproduktion von der OeMAG. Festzuhalten ist: „Gesetzlich festgelegt ist die Vergütung zu Marktpreisen nur bei der OeMAG“, sagt Harald Proidl von der Regulierungsbehörde E-Control, die auch den OeMAG-Preis bestimmt. Entstehen würde der Preis von der E-Control auf Quartalsbasis. Als Grundlage werde der Börsenpreis der letzten fünf Quartalstage herangezogen, sagt Proidl.

Auch der regionale Energieversorger Salzburg AG zahlte teilweise viel für den Sonnenstrom: Jene Personen, die eine Anlage vor 31. Jänner 2022 in Betrieb genommen hatten, erhielten im vierten Quartal 2022 51,2 Cent pro Kilowattstunde. Seit Jänner gibt es nur mehr 26,6 Cent pro Kilowattstunde fürs Einspeisen. Deutlich weniger, nämlich 10,7 Cent, bekommen Kundinnen und Kunden, die nach Jänner 2022 einen Einspeisevertrag mit der Salzburg AG abgeschlossen haben und eine Anlage besitzen, die nicht mehr Leistung als 20 Kilowattpeak erzielt.

Alles andere als gesunken sind indes die Strombezugstarife der Salzburg AG, diese wurden mit Jänner um 138 Prozent erhöht: 32,4 Cent brutto pro Kilowattstunde sind für den reinen Arbeitspreis nun fällig. Daher ist es nun vor allem die Eigenproduktion, die PV-Anlagen-Besitzerinnen und -Besitzern einen deutlichen Preisvorteil bietet.Doch warum bekommen Stromlieferanten nur 10,7 Cent pro Kilowattstunde von der Salzburg AG?

„Die Einspeisetarife der Energieversorger unterliegen keinen rechtlichen Vorgaben. Die Energieversorger sind völlig frei in der Tarifgestaltung und unterliegen den Regeln des freien Marktes“, sagt Proidl.

Von der Salzburg AG heißt es dazu: „Neukunden beziehungsweise Anlagenerweiterungen führen dazu, dass der Einspeisetarif um aktuell rund 40 Prozent reduziert wurde“, teilt eine Sprecherin mit. Grund dafür sei, dass die Überschuss-Einspeisung aus dem erzeugten Sonnenstrom in das Netz zu Zeiten erfolge, in denen ohnehin weniger Strom benötigt werde. Auch zur Preisbildung äußert sich die Salzburg-AG-Sprecherin: „Diese wird im Zuge der quartalsmäßigen Anpassung mit der aktuellen Marktsituation abgestimmt.“

Bremsen die nun sinkenden Einspeisetarife den PV-Ausbau und somit die Energiewende? „Wir sehen ein nach wie vor ungebrochenes Interesse an PV-Anlagen“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Photovoltaic Austria. Die Einspeisetarife am Markt seien zuletzt exorbitant hoch gewesen und seien auch im Vorjahresvergleich immer noch sehr hoch. Die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage sei bereits vor den hohen Strompreisen gegeben gewesen und daran habe sich nichts geändert. Auch langfristig würden die Strompreise auf einem höheren Niveau bleiben. Profitieren würden die PV-Anlagen-Besitzerinnen und -Besitzer daher vor allem von der Eigenproduktion, merkt Immitzer an.

Doch warum fallen plötzlich die Preise auf den internationalen Märkten? „Viele Engpassbefürchtungen sind nicht eingetreten und der Bedarf ist wegen der Temperaturen unter den Vergleichswerten“, sagt Proidl. Österreichs Gasspeicher, die auch für die Stromproduktion relevant sind, sind zu 87 Prozent voll. Das wirke stabilisierend, sagt Proidl.

Und wann sinken die Strompreise? Das hänge von der Beschaffungspolitik der Versorger, vom Eigenproduktionsanteil und der Lage an der Börse ab, heißt es von der E-Control.

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