»Blockierer im System« – Doskozil attackiert Ärztekammer

»Blockierer im System« – Doskozil attackiert Ärztekammer

In seiner Rolle als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz will Hans Peter Doskozil eine Gesundheitsreform notfalls auch gegen den Willen der Ärztekammer durchsetzen. Diese ist nicht erfreut.

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Eisenstadt/Wien, 25. Jänner 2023 | Geht es nach Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) soll die Ärztekammer einer umfassenden Gesundheitsreform nicht im Weg stehen. Er bezeichnete die Interessensvertretung der Ärzteschaft als „Blockierer“. Diese wollte die bittere Pille nicht schlucken und schoss zurück.

Macht „gehört beseitigt“

Bereits am Samstag warf Doskozil im „Kurier“-Interview einen verbalen Böller in Richtung Ärztekammer. Diese sorge durch ihre mächtige Stellung dafür, dass die Politik „dem Lobbyismus der Ärztekammer erlegen“ sei, etwa wenn es um die Besetzung von Wochenenddiensten in Ordinationen geht. In Zukunft will Doskozil den laut ihm blockierenden Einfluss der Ärztekammer bei Entscheidungen im Gesundheitsbereich eingeschränkt wissen: „Die Ärztekammer hat nur deswegen so viel Macht, weil wir sie bundesgesetzlich mit so viel Macht ausgestattet haben. Wer sagt denn, dass die Ärztekammer diese Macht braucht. Das gehört beseitigt.“

Ärztekammer entsetzt

Seitens der Ärztekammer sorgten die Äußerungen Doskozils für wenig Gegenliebe. „Jede Reform ohne Einbeziehung der hauptbetroffenen Ärzteschaft ist von vornherein zum Scheitern verurteilt“, verlautbarte die Kammer in einem Statement. Doskozil wolle mit Zwang ein staatliches Gesundheitssystem errichten, mutmaßte man bei der Ärztekammer. ÄK-Präsident Steinhart sprach im Verweis auf Großbritannien von drohenden „hunderten Toten pro Woche, weil die Notfallversorgung nicht mehr ausreichend funktioniert und einem Totalversagen im niedergelassenen Bereich“, sollte man den Vorschlägen von Doskozil Folge leisten. Zu Doskozil persönlich sagte er: „Sein Machtrausch scheint ja schier grenzenlos.“

Studenten für Österreich verpflichten

Im Morgenjournal am Mittwoch legte Doskozil noch einmal nach und warf der Ärztekammer vor, dass sie „nicht die Bevölkerung in den Vordergrund“ sondern „ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen“ würde. Dies zeige sich ihm zufolge auch beim Thema Studenten aus dem Ausland.

Doskozil könne sich hier eine Verpflichtung von bis zu zehn Jahren für junge Ärzte vorstellen, wenn diese ihre Ausbildung vom österreichischen Steuerzahler finanziert bekommen hätten. „Es kann nicht akzeptiert werden, dass wir doch genug Ärzte ausbilden, aber ein Drittel dieser ausgebildeten, fertigen Ärzte ganz einfach von heute auf morgen ins Ausland geht“, so der burgenländische Landeshauptmann.

Arzt sieht „komplexe Lage“

Im Gespräch mit ZackZack spricht der langjährige Arzt Reinhard Dörflinger, selbst Referent in der Ärztekammer, von einem „Ringen der verschiedenen Player im Gesundheitswesen und deren Auftrag“. In Bezug auf den Ärztemangel in bestimmten Bereichen meint der Arzt: „Wenn das normale Spiel der Kräfte nicht funktioniert ist es legitim, sich was anderes zu überlegen“. Das von der Ärztekammer heraufbeschworene „Gespenst der Verstaatlichung“ bezeichnete er als „absurd“.

Während der Ausbildung könne er sich ein Stipendiensystem für angehende Ärzte vorstellen. Würde man die finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen, müsse man sich anschließend verpflichten, in Österreich zu arbeiten, so Dörflingers Vorschlag. Die Ärztekammer sei für den Arzt eine „erfolgreiche Lobbyorganisation“, die die persönliche berufliche Freiheit von Ärzten verteidige, Doskozil sei jemand, der mediale Aufmerksamkeit genießt. Besonders Ärzte der jüngeren Generation würden zudem verstärkt auf eine ausgewogenere Work-Life-Balance achten, zeigte Dörflinger Verständnis. Verpflichtende Wochenenddienste kämen folglich ungelegen.

(dp)

Titelbild: APA Picturedesk

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