Zum Tod von Papst Benedikt XVI.: „Er war kein Panzerkardinal“

„Emeritiert“ lautete das Adjektiv, welches Papst Benedikt XVI. seit neun Jahren anhaftete. An Silvester ist der Mann, der das höchste Amt der Katholischen Kirche als zweiter Mann in der Geschichte frühzeitig niederlegte, im Alter von 95 Jahren gestorben. Der Starnberger Pfarrer Tamás Czopf kannte ihn persönlich und hält bis heute viel von ihm. Dass es auch massive Kritik am Ex-Pontifex gab und gibt, kann der Starnberger Priester daher nicht nachvollziehen.

Liturgische Diskussionen, Begegnungen bei privaten Feiern und schließlich die persönliche Priesterweihe durch Joseph Ratzinger, wie der emeritierte Papst bürgerlich hieß – und das auch noch in dessen Officio in Rom. Tamás Czopf und Joseph Ratzinger kannten sich aus der integrierten Gemeinde. Darunter ist eine von der Katholischen Kirche anerkannte, totalitär-katholische Parallelgesellschaft zu verstehen, die vor allem in den 80er und 90er Jahren Konjunktur hatte und ihren Mitgliedern hart zusetzte, wie von Aussteigern berichtet wird. Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hatte den umstrittenen Verein deshalb 2020 in seiner Erzdiözese aufgelöst.

Czopf und Ratzinger kennen sich aus einer umstrittenen Kirchengruppe

Das sollte man wissen, wenn man sich mit Tamás Czopf unterhält, der von dem bayerischen Papst schwärmt und von vielen Begegnungen mit ihm berichten kann. Czopf stammt ursprünglich aus Ungarn, wo er auch Theologie studiert hat. Erst für die Promotion in den frühen Neunzigern zog es den heute 56-Jährigen nach München, wo er Ratzinger bei verschiedensten Anlässen, meist im Rahmen der integrierten Gemeinde, traf. Seit 2015 arbeitet er für die Pfarreiengemeinschaft Starnberg in der Seelsorge.

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Erzbischof Reinhard Kardinal Marx spricht am Samstag im Münchner Liebfrauendom während der Silvestermesse neben einem Foto des verstorbenen emeritierten Papstes Benedikt XVI. Der emeritierte Papst ist am 31.12.2022 im Alter von 95 Jahren im Vatikan gestorben.

(Foto: Lennart Preiss/dpa)

1993 empfing Czopf in Rom von Joseph Ratzinger – damals Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation – zusammen mit vier anderen Gemeindemitgliedern die Priesterweihe. „Da hatten wir ein circa halbstündiges Gespräch, wo er uns nach unseren Motivationen gefragt hat. Es war ein ungeheuer friedliches und einvernehmliches Gespräch. Er hat Wert darauf gelegt, mit uns allen unter vier Augen zu sprechen, bevor er uns zum Priester weiht.“

Den Vorwurf, er habe vor allem konservative Werte vertreten, weist der Starnberger Pfarrer entschieden zurück. Benedikt sei weder konservativ noch liberal gewesen, sondern habe es verstanden, beide Seiten für sich zu gewinnen, sagt Czopf. „Er war kein Panzerkardinal, sondern ein sehr differenzierter Theologe.“ Ratzinger habe weniger eigene prägnante Thesen aufgestellt als vielmehr die Arbeit von älteren deutschen Theologen sortiert und aufgearbeitet. Das habe man hier nicht verstanden. „Aber er war nie konservativ“, so Czopf.

Als Privatmenschen habe es ihn nicht gegeben, sagt Czopf

Den Menschen Joseph Ratzinger habe Tamas Czopf trotz vieler persönlicher Kontakte nie wirklich kennengelernt. „Ich glaube das, was man so gerne als Privatperson Ratzinger haben möchte, gab es so nicht. Er war von A bis Z Priester, Bischof, Theologe und später Papst.“ Ratzinger habe für seine theologische Arbeit gelebt, sei schnell und effizient gewesen, so Czopf. „Er war sehr diszipliniert und hat auch sehr, sehr schnell gegessen.“ Als übermäßig ehrgeizig habe er Ratzinger jedoch nie empfunden. „Er war nie aufstrebend. Seine Leidenschaft war der Glaube und die Theologie.“

Dass Ratzinger als Erzbischof der Diözese München-Freising von sexuellem Missbrauch gewusst habe und in Folge trotzdem untätig blieb, schließt der Starnberger Priester aus. „Es gab keinen einzigen Nachweis, alles nur Vermutungen.“ Außerdem sei das in den 70ern gewesen, da seien die Regelungen sowohl im Staats- als auch im Kirchenrecht noch anders gewesen, argumentiert Czopf. Ein konkretes Fehlverhalten konnte Ratzinger in der Tat nie nachgewiesen werden. Schon damals sei er aber in seiner Funktion als Leiter der Glaubenskongregation von Deutschland aus gehasst worden, sagt der Starnberger. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht Hundert Prozent, warum.“ Bis zuletzt habe es „liberale oder linke Kreise“ gegeben, die ihn absägen wollten.

Für den Starnberger Priester Tamas Czopf bleibt Benedikt XVI. ein bemerkenswerter Papst und ein Vorbild. Und auch, wenn ihn der vorzeitige Rücktritt des Bayerns 2013 betrübte, rechnet er ihm diesen hoch an. Ratzinger habe mit diesem Schritt das Papstamt von einer mystischen Höhe heruntergeholt. „Er hat sich die Freiheit genommen, zurückzutreten. Und das ist Größe, finde ich.“

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