Tod einer Legende: Wie Pelé den Fußball ganz groß machte

Eine Begegnung vor rund zwanzig Jahren, eine Audienz bei „O Rei“, dem König, wie sie ihn nannten. Strahlend und federnd kommt er durch die Tür, als sei die Athletik, die ihn früher beim Kopfball fast einen Meter hoch springen ließ, unvergänglich. Charmant begrüßt er den Gesprächspartner, ganz Weltbotschafter des guten Fußballs. Brasilien ist damals am Boden, hat sechs Spiele in der WM-Qualifikation verloren, sodass sich Pelé irgendwann selbst in die „Seleção“ eingewechselt hat – wenigstens im Schlaf.

„Ich träumte, dass ich mitspiele“, sagt er und führt einige der Körpertäuschungen vor, mit denen er in seiner Glanzzeit die Verteidiger narrte. Dann wirft er, erleichtert wie ein Erwachender nach einem Albtraum, die Augen zum Himmel. Zum Glück, stellt er fest, habe Brasilien genug Stürmer. Und behält recht. Dank acht Toren von Ronaldo, davon zwei im Finale gegen Deutschland, wird Brasilien Weltmeister 2002.

Nun ist er tot, der erste Weltstar des Fußballs, der erste, der in seiner Karriere die Wahrnehmung und Reichweite des Spiels global veränderte. Mit 17 war Edson Arantes do Nascimento, der in seiner Kindheit den unergründlichen Namen Pelé erhielt, ein Wunderkind in schwarz-weißen Wochenschau-Schnipseln – und mit 31 ein Superheld im sonnengelben Hemd der Seleção, live aus Mexiko, der beim Kopfball hochstieg wie auf Sprungfedern und zum dritten Mal Weltmeister wurde, einmalig bis heute.

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Das Leben von Pelé : „Hoffentlich kann man auch im Himmel Fußball spielen!“

Die Welt des Fußballs war in den späten Fünfzigerjahren bereit für einen ersten echten Weltstar, einen Spieler, den man in der ganzen Welt kannte und dessen Großtaten man sich nicht selbst herbeiphantasieren musste, weil man sie, wie vorher üblich, nur vom Hörensagen kannte, sondern mit eigenen Augen sehen konnte. Dafür waren die Voraussetzungen durch die Internationalisierung des Spiels und die allmähliche Verbreitung des Fernsehens entstanden. Was dem Fußball fehlte, um zum größten Sport der Welt zu werden, war noch jemand wie Pelé.

Vorhang auf: Pelé stürmt mit 17 Jahren die große Bühne der WM 1958. : Bild: picture-alliance/ dpa

Dann wurde die WM 1958, live im noch schwarz-weißen Fernsehen, die große Bühne des 17 Jahre alten Jünglings, Sohn eines schlecht bezahlten Zweitligaprofis. In den drei K.-o.-Spielen bis zum WM-Titel, dem ersten für Brasilien, schoss er sechs Tore, darunter eines der schönsten der WM-Geschichte beim 5:2 im Finale gegen Schweden – mit der Brust gestoppt, über den Gegner gelupft, dann volley ins Netz. Am Tag danach stand er brav an der Telefonzelle neben dem Trainingslager an, um dem Vater daheim zu sagen, was der aus der Radioübertragung längst wusste: „Wir haben gewonnen.“

Es war der überlegenste Finalsieg der WM-Geschichte, und es war die Entdeckung Brasiliens nicht als Land, sondern als Idee: Inbegriff eines Fußballs, der die Hüften und die Phantasie schwingen lässt. Und natürlich die Entdeckung Pelés, jenes noch schmächtigen Jugendlichen, der all das verkörperte und auf einen Schlag die Weltattraktion des Spiels wurde. Schon da hätte er für viel Geld nach Europa gehen können.

Fiat-Besitzer Agnelli soll ihm gar ein Aktienpaket an dem Autokonzern für den Wechsel zu Juventus Turin geboten haben. Doch der brasilianische Staat erklärte Pelé zum „nationalen Gut“, und so blieb er 18 Jahre beim FC Santos, der zweimal den Weltpokal gewann und Pelés Popularität in zahlreichen Gastspielen bei Europa- und Welttourneen versilberte. Wie kein Fußballer vor ihm wurde er zum globalen Ereignis, einem, der nicht nur alle vier Jahre bei einer Weltmeisterschaft auftauchte, sondern, als Bester der Welt, präsent blieb.

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