Die Zukunft ist das, was wir heute dafür tun

Was wird von 2022 bleiben? Vieles spricht dafür, dass es als ein Wendejahr in Erinnerung bleiben wird. Als ein Jahr, in dem bei Sicherheit, Freiheit und Wohlstand Gewissheiten verloren gegangen sind. Der verbrecherische Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat unsere Sicherheit ins Wanken gebracht. Ein Krieg in Europa, in unserer Nachbarschaft, ist damit wieder Wirklichkeit geworden. Wir müssen hilflos zuschauen, wie der Krieg unermessliches Leid für die Menschen in der Ukraine bringt, aber auch für Menschen in Russland. Für die Heimat sterben, heißt immer noch sterben. Einen nahestehenden Menschen zu verlieren, ist ein Verlust, den nichts wettmachen kann.

Sicherheit ist eine Grundbedingung für Freiheit. Ohne sie gibt es keine Freiheit. Aber nicht nur die äußere, auch die innere Freiheit ist bedroht. Innere Freiheit heißt, selbstbestimmt zu leben. Hier kommt die Bedrohung von einer Entwicklung, die unser Leben leichter macht, uns aber auch beeinflusst, wenn nicht gar manipuliert. Es ist dies die fortschreitende Digitalisierung, die durch künstliche Intelligenz, durch die sozialen Medien, durch die Informationsflut des Internets alle Lebensbereiche erfasst und prägt. Die Pandemie hat der Digitalisierung einen gewaltigen Schub verpasst. Die große Herausforderung wird sein, sie in vernünftige Bahnen zu lenken.

Der dritte Wendepunkt betrifft den Wohlstand. Wir spüren die Folgen der Pandemie, des Krieges und der fortschreitenden Klimaerwärmung in unserem täglichen Leben. Extreme Wetterlagen treten auch bei uns gehäuft auf. So gut wie alles ist teurer geworden; nicht alles ist immer verfügbar und leistbar. Unser materieller Wohlstand ist brüchig geworden. Das verlangt nach Solidarität in der Gesellschaft. Es ist auch ein Anstoß, darüber nachzudenken, was wir wirklich brauchen, ob nicht manche Dinge uns nur belasten, uns selbst und die Umwelt. Und vor allem auch darüber nachzudenken, was unserem Leben Sinn gibt. Ein Wendejahr ist immer auch eine Chance. Denn die Zukunft ist das, was wir heute dafür tun. Irmgard Griss war Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Abgeordnete zum Nationalrat der Neos.

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