Null Toleranz, auch nach innen

Der Neue an der Spitze der EU-Grenzschutzagentur Frontex mag klare Ansagen. „Dienende Führung heißt: Führen durch Ideen und manchmal auch in Taten“, umschreibt Hans Leijtens sein Arbeitsethos. Ideen und Taten wird Leijtens (59) brauchen. Der bisherige Chef der niederländischen Militärpolizei übernimmt im kommenden Jahr die Führung der europäischen Agentur für Grenz- und Küstenwache. Leijtens ist zwar Berufsmilitär mit Auslandserfahrung in Afghanistan, er studierte aber Soziologie und Psychologie und promovierte 2008 an der Universität Leiden über Führungskultur. Zwischendurch kämpfte er in der Karibik gegen Korruption. Ein Abstecher als Generaldirektor im niederländischen Finanzministerium war nur von kurzer Dauer. „Mit den Menschen, die ich habe, das Maximale leisten“, lautet Leijtens’ Maxime. Bei Frontex ist das kein einfacher Job: Die EU-Grenzagentur steckt in einer schweren Krise. Der bisherige Chef Fabrice Leggeri musste zurücktreten. Zuvor waren Recherchen bekannt geworden, wonach seine Behörde zumindest von völkerrechtswidrigen Rückführungen Geflüchteter direkt an der EU-Außengrenze, sogenannten Pushbacks, wusste oder gar aktiv beteiligt war.

Der Neue übernimmt eine Behörde mit einem inneren Ungleichgewicht. 2004 wurde die Frontex geschaffen, eher als symbolische Grenzeinheit. Sechs Millionen Euro betrug das Budget damals, im Jahr 2022 waren es mehr als 750 Millionen Euro. Von knapp 1500 Mann soll die Truppe bis 2027 auf eine Reserve mit einer Stärke von 10.000 Mitgliedern wachsen. Doch beargwöhnen manche Mitgliedstaaten Frontex kritisch. Die Souveränität ist den Nationalstaaten dann eben doch heilig.

Die Aufgabe von Frontex lautet: Die EU-Grenzen nach außen zu schützen. Leijtens’ Auftrag ist aber zuerst ein anderer: ein eigenes Selbstverständnis seiner Behörde formen. Das heißt auch null Toleranz bei Rechtsbrüchen – vor allem nach innen. Peter Riesbeck

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