Kroatiens Marder hat nicht ausgedient

Von Uwe Sommersguter

7,53Kuna sind 1 Euro, 1 Kuna sind 0,13 Euro: Diesen Umrechnungsformeln begegnet man dieser Tage in ganz Kroatien, so auch in der weihnachtlich geschmückten und hell erleuchteten Hauptstadt Zagreb; selbst an den Marktständen wird penibel doppelt ausgezeichnet. Mit 1. Jänner wird Kroatien das 20. Mitglied der Euro-Zone. Um die Verbraucher zu schützen, müssen bereits seit September alle Preise in beiden Währungen ausgewiesen werden – ausgenommen dort, wo die doppelte Auszeichnung aus praktischen Gründen zu aufwendig ist.

Nicht überall scheint das Ziel des Verbraucherschutzes tatsächlich erreicht, denn neben vielen „ungeraden“ Euro-Beträgen finden sich bereits einige Euro-Preise an typischen Preisschwellen (9,90, 14,90 etc.), denen augenscheinlich die Kuna-Preise angepasst wurden – und nicht umgekehrt. Dennoch erklärt der kroatische Premierminister Andrej Plenković in einer Broschüre, „die Angst vor Preiserhöhungen durch die Umstellung“ sei „unbegründet“.

Die Umstellungsphase verläuft recht zackig. Nach Silvester kann man in Kroatien zwei Wochen lang in beiden Währungen zahlen, das Wechselgeld wird ausschließlich in Euro ausgegeben. Manche erinnern sich noch: In Österreich wurden bei der Währungsumstellung vor 20 Jahren Schilling und Euro zwei ganze Monate parallel als Zahlungsmittel akzeptiert. In Kroatien ist die Kuna hingegen ab 15. Jänner Geschichte. Wer dann noch Kuna besitzt, kann diese in Kroatien bei Geschäftsbanken, Postfilialen und der Finanzagentur das ganze nächste Jahr lang umtauschen. Gebührenfrei, jedoch höchstens 100 Scheine und 100 Münzen. Nach 2024 gibt dann nur noch die kroatische Zentralbank Euro für Kuna heraus. Ein Umtausch von Geldscheinen ist unbefristet gebührenfrei, der von Kuna-Münzen nur bis Ende 2025.

Österreicher, die nach Jahreswechsel noch Urlaubs-Kuna in der Schublade oder in der Badetasche finden, müssen nicht unbedingt gleich nach Kroatien reisen: Bis Ende Februar tauscht die Nationalbank in ihren Filialen Kuna gebührenfrei in Euro um – allerdings nur Geldscheine, keine Münzen. Und nur bis zu einer Grenze von 8000 Kuna. Aber auch in Geschäftsbanken wie den Sparkassen wird der Geldwechsel voraussichtlich bis Mitte 2023 möglich sein. Empfohlen wird, die Kuna frühestmöglich in Euro umzutauschen.

Abgesehen von möglichen höheren Preisen vor oder nach der Umstellung – die doppelte Auszeichnung gilt bis Ende 2023 –, bringt die Einführung der Einheitswährung für Besucher aus Euro-Staaten einige Vorteile.

Wer etwa dieser Tage in Zagreb mit der Bankomat-Karte zahlte, muss mit einem schlechteren Kurs rechnen (7,36 Kuna für 1 Euro) und legt noch dazu einige Prozent für Spesen obendrauf. So kosten Waren, die bereits in Euro angeschrieben werden, unterm Strich einiges mehr als angegeben. Auch die Abhebung bei Bankomaten kommt teurer als vermutet.

Bereits jetzt mit Euro zahlen geht – zumindest beim Lokalaugenschein in Zagreb – noch nicht. „Erst im nächsten Jahr“, meinte etwa eine Verkäuferin in der Bäckerei Pan-Pek in Zagreb – ganz so, als wäre das ferne Zukunftsmusik. Dann entfallen tatsächlich alle Wechselspesen, Aufschläge und für heimische Export-Unternehmen die Währungsabsicherungen gegen Geldentwertung.

Die österreichische und die kroatische Wirtschaft sind eng miteinander verflochten. Fünf Milliarden Euro wurden bis Ende 2021 direkt in Kroatien von heimischen Firmen investiert, Österreich ist der zweitgrößte Investor. Keine Freude mit der Währungsumstellung haben naturgemäß die vielen „Mjenjačnica“ (Wechselstuben) in der Hauptstadt sowie in Tourismusorten an der Adria, die beim Währungsumtausch teilweise kräftig abkassierten.

Die Münzen im Euro-Raum differieren je Mitgliedsland – anders als die einheitlichen Geldscheine. Die 1-Euro-Münze ziert ein Marder, die Kuna geht damit Kroatien nicht ganz verloren, schließlich heißt Kuna auf Deutsch Marder. Aufregung gab es im Zuge der Erstellung des Designs der kroatischen Euro-Münzen: Weil beim Wettbewerb erst- als auch zweitplatzierte Motive des Plagiats verdächtigt wurden, musste die Nationalbank in Zagreb ihre Ausschreibung wiederholen.

Auf den 10-, 20- und 50-Centmünzen ist nun ein Bild Nikola Teslas zu sehen. Der Ingenieur ist Namensgeber des Elektro-Auto-Unternehmens von Elon Musk. Das Vorhaben elektrisierte den Nachbarn im Osten, denn Serbien beansprucht den Erfinder, der in die USA auswanderte und auch auf dem serbischen 100-Dinar-Schein zu sehen ist, für sich. Unumstritten ist hingegen die kroatische Zwei-Euro-Münze. Diese ziert ein Vers der „Hymne an die Freiheit“, übersetzt „O schöne, o liebe, o süße Freiheit“. Wie passend, denn für die Kroaten bringt die neue Währung mit Sicherheit ein Stück (Reise-) Freiheit – schließlich nutzen den Euro dann 346 Millionen Menschen – und nicht bloß vier.

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