Frauenanteil in den Vorständen wächst nur sehr langsam

Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von 7,1 auf 9,0 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das des Beratungsunternehmen EY in seinem Mixed Leadership Barometer. Bei Beginn der Untersuchungen im Juli 2015 lag der Frauenanteil in Vorständen noch bei 4,1 Prozent. In absoluten Zahlen ist die Anzahl an weiblichen Vorstandsmitgliedern innerhalb der letzten sieben Jahre um zehn Personen gestiegen.

Die positive Entwicklung des Frauenanteils in den heimischen Aufsichtsräten hat sich weiter fortgesetzt: In fast neun von zehn österreichischen WBI-Unternehmen ist aktuell mindestens eine Frau im Aufsichtsrat vertreten. Somit ist in den Aufsichtsräten insgesamt der Anteil der Frauen im Vergleich zum Vorjahr von 28,4 auf 30,2 Prozent gestiegen und hat damit ebenfalls einen neuen Höchststand erreicht: In den Aufsichtsgremien sitzen somit 163 Frauen (30,2 %) und 376 Männer (69,8 %). Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder um 14 gestiegen, die der männlichen Aufsichtsräte im gleichen Zeitraum nur um ein Mitglied.

„Der Frauenanteil bei Vorstandsmitgliedern der österreichischen börsennotierten Unternehmen ist im letzten halben Jahr leicht gestiegen – somit ist aktuell jedes elfte Vorstandsmitglied weiblich. Dass das einen neuen – wenn auch bescheidenen – Höchstwert bedeutet, ist zwar ein positives Zeichen auf dem Weg zu mehr Diversität, doch die Trendwende geht viel zu langsam und der Frauenanteil ist noch deutlich zu niedrig. Das Ziel – Parität – liegt in weiter Ferne“, kommentiert Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich, die Ergebnisse.

Pelzmann weiter: „Die EU setzt ein klares Zeichen für mehr Diversität in den obersten Etagen der Unternehmen und will den Wandel mit regulatorischem Treibstoff beschleunigen. Die Mitgliedstaaten und das europäische Parlament haben sich auf eine Geschlechterquote in den Vorstandsetagen geeinigt. Konkret können die Staaten bis 2026 zwischen zwei Modellen wählen: Entweder sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder von nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitgliedern Frauen sein oder der durchschnittliche Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen muss bei 33 Prozent liegen. Das ist auf jeden Fall ein starkes Signal und es wird sich zeigen, ob dadurch die kritische Masse für eine Trendwende erreicht wird“, so Pelzmann.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter fördern

Ausschlaggebend für den Wandel sei es auch, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern: „Der größte Hemmschuh für viele Frauen in Führungspositionen ist noch immer das Umfeld. Es fehlen Lenkungsmaßnahmen und Modelle, die es möglich machen, Arbeit und Familie besser zu vereinbaren. Hier sind sowohl Arbeit- als auch Gesetzgeber gefordert. Ein flexibles Arbeitsumfeld, mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie mehr Akzeptanz und Beistand von den Unternehmen für individuelle Lebensmodelle von Frauen und Männern sind nur einige wichtige Elemente für einen Umbruch. Eine Schwangerschaft darf nicht mehr Bremse oder sogar die Endstation eines Karrierewegs sein“, sagt Pelzmann.

Die meisten Frauen sind momentan in den Chefetagen in der Immobilienbranche anzutreffen, wo ihr Anteil bei 20 Prozent liegt. An zweiter Stelle folgt die Konsumgüterbranche (19 %) und an dritter Stelle die Industrie (9,5 %). Keine einzige Vorständin gibt es in fünf Branchen: Automobil, Informationstechnologie, Rohstoffe, Telekommunikation und Transport.

Jedes dritte Aufsichtsratsmitglied in WBI-Unternehmen ist weiblich

Der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder ist seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 2015 in jedem Jahr kontinuierlich gestiegen: Seitdem mit 1. Jänner 2018 die gesetzliche Genderquote von 30 Prozent in Kraft getreten ist, erhöhte sich der Frauenanteil in den Kontrollgremien der österreichischen WBI-notierten Unternehmen deutlich und kontinuierlich von 18,8 Prozent (Stichtag: Dezember 2017) auf 30,2 Prozent – das bedeutet einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten leicht von 28,4 auf 30,2 Prozent gestiegen. Von den derzeit 539 Aufsichtsratsmitgliedern der im WBI notierten österreichischen Unternehmen sind 163 Frauen. In 50 der 56 untersuchten Unternehmen gibt es aktuell mindestens eine Frau im Aufsichtsrat – in 40 Unternehmen gibt es sogar zwei weibliche Aufsichtsratsmitglieder.

„Bei der Einführung der Quotenregelung für Aufsichtsräte gab es viele Bedenken und Diskussionen. Auch wenn Quoten sicher kein Allheilmittel sind, sehen wir in diesem Fall einen ganz klaren Effekt: Seit der Einführung ist der Frauenanteil in den Kontrollgremien deutlich gewachsen. Die Quote hat die Themen Diversität und Gleichstellung weiter nach oben auf der Unternehmens-Agenda gehievt und damit ihren Zweck erfüllt, das Bewusstsein zu schärfen und gezielter nach geeigneten weiblichen Gremiumsmitgliedern zu suchen“, so Pelzmann.

Jeder vierte Aufsichtsrat unter Quotenregelung erfüllt die Quote noch nicht

Trotz deutlicher Fortschritte bei der ausgewogenen Besetzung von Aufsichtsräten gäbe es immer noch Aufholbedarf, so Pelzmann: „Die Genderquote zeigt Wirkung, es gibt 62 weibliche Aufsichtsratsmitglieder mehr als zum Zeitpunkt des Inkrafttretens und der Frauenanteil in Kontrollgremien ist von 18,8 auf 30,2 Prozent geklettert. Dieser Zuwachs ist zu einem überwiegenden Teil darauf zurückzuführen, dass jene österreichischen im WBI notierten Unternehmen, die die Quote erfüllen müssen, mehr Aufsichtsratsposten an Frauen vergeben haben. Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht. Fast jedes vierte verpflichtete österreichische Unternehmen muss die Frauenquote im Aufsichtsrat bei der nächsten Wahl oder Entsendung erhöhen“.

Am höchsten ist der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder derzeit mit 37 Prozent in der Transport- und Logistikbranche, wo mehr als jedes dritte Aufsichtsratsmitglied eine Frau ist. Dahinter folgen die Energiebranche (34,9 %) und die Telekommunikationsbranche (33,3 %). Am niedrigsten ist der Anteil weiblicher Gremiumsmitglieder mit 19 Prozent aktuell in der Rohstoffbranche.

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