Abgesagtes Rammstein-Konzert: Eine rüde Vollbremsung

Cool wollte sich München an Silvester mit dem großen Rammstein-Konzert präsentieren, locker und weltoffen. Kein Millionendorf an diesem Abend sein, sondern endlich mal Metropole. Die Idee löste nicht nur bei den Metal-Fans Euphorie aus. 145 000 Zuschauer auf der Theresienwiese, ein Auftritt einer Band mit Weltruf, ordentlich Power oder Lärm, je nach Sichtweise, und dazu passend zum Abend noch ein Pyrospektakel, das klang nach einem Kracher. Nach sechs Tagen ist der Spuk schon wieder vorbei, es bleibt nichts als ein Rohrkrepierer.

So richtig gut steht nach den zwei Wochen Rammstein-Diskussion niemand da. München ist nun die Stadt mit dem größten Nicht-Event an Silvester. Die Politik muss sich fragen lassen, ob sie sich hat vorführen lassen. Die Verwaltung muss sich fragen lassen, ob sie die berechtigten Bedenken zu absolut in den Raum gestellt hat und damit dem attraktiven Konzert schneller den Garaus gemacht hat als nötig. Die größten Fragezeichen hinterlässt allerdings der Veranstalter Klaus Leutgeb: Da stattet ihn die Politik mit einer gehörigen Portion Vertrauensvorschuss aus, und nicht einmal eine Woche nach dem positiven Votum für die Vermietung der Theresienwiese sagt er nach dem ersten offiziellen Gespräch mit den Behörden ab.

Die Münchnerinnen und Münchner dürften sich verwundert die Augen reiben. Hat sich da jemand einen schlechten Scherz erlaubt? Da kommt einer als Rebell in die Stadt, mischt mit seinen Großkonzerten von Andreas Gabalier, Helene Fischer und Robbie Williams die einheimischen Veranstalter so auf, dass sie sich nicht anders zu wehren wissen als mit einem offiziellen Beschwerdebrief an den Oberbürgermeister. Und dann hält er es nicht einmal für nötig, die Organisation des Rammstein-Konzerts wenigstens zu versuchen. Leutgeb kennt die Behörden in München von den anderen Veranstaltungen, er kennt die Vorgaben für Großkonzerte. Es gab keine neue Entwicklung übers Wochenende. Der Wirtschaftsreferent hat sich für ihn bisher bis an die Grenze des Verträglichen ins Zeug gelegt und musste sich dafür den Vorwurf der Spezlwirtschaft anhören. Der Stadtrat hat ihm nach hartem inneren Ringen die Bühne bereitet, und dann legt Leutgeb eine solch rüde Vollbremsung hin.

Als Veranstalter lebt man immer auch vom Vertrauen. Kann gut sein, dass Leutgebs Stern als Münchner Veranstalter schneller verglüht, als sich das er selbst und die Konkurrenz bis vor zwei Wochen vorstellen konnten.

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